Blauburgunderland
Im Schaffhauser Blauburgunderland
Dutzende von Weinkellereien im ganzen Schaffhauser Blauburgunderland halten ihre Türen für Sie offen. Laden Sie zum Degustieren ein. Viele Winzer erklären Ihnen bei einem Rebrundgang gerne, wie ihr Wein entsteht. Wer lieber alleine loszieht, spaziert auf dem 3 Kilometer langen Weinlehrpfad in Trasadingen und beobachtet gleich noch Vögel und Echsen. Die Geschichte illustriert das Weinbaumuseum in Hallau. Es bietet einen interessanten Überblick über Geschichte, Handwerk und Leute des Schaffhauser Blauburgunderlandes. Oder werden Sie im Rebseminar auf Zeit selbst zum Winzer oder zur Winzerin: Theorie, Reben schneiden, Herbsten (Ernte), Etiketten kreieren und Wein geniessen, alles dabei! Sie mögens eher gemütlich? Die Menschen im Schaffhauser Blauburgunderland feiern ihre Weine ausgelassen. Im Mai schenken sie für Kenner am Gourmetfestival nur die besten Tropfen aus. Im Juni öffnen sie ihre lauschigen Rebhäuschen und Keller fürs «Rebhüüsli- und Kellereifäscht»: Inmitten der blühenden Reben stösst man an, gönnt sich dazu eine Schaffhauser «Bölletünne» (Zwiebelkuchen), Hallauer Schinkenwurst oder süsse «Schlaatemer Rickli» (Gebäck).
Und um das «Herbsten» (Traubenernte) zeigt sich Gross und Klein in Festlaune: Im September beurteilt der sechsköpfige Beirat die Qualität des aktuellen Jahrganges. Die Ergebnisse werden anschliessend in einer öffentlichen «Wiiprob» im Kreuzgang zu Allerheiligen in Schaffhausen präsentiert. Und bis im Oktober geben sich Wein- und Trottenfeste sowie die Hallauer Herbstumzüge die Hand. Kühle Keller verwandeln sich in stimmungsvolle Weinbeizli, die Dörfer putzen sich mit Blumen heraus, Küfer zeigen ihr Handwerk, Pferdefuhrwerke klappern durch die Gassen. Rebbergfahrten auf dem Pferdewagen gibts übrigens sogar mit Fondue und Musik! Die Kalorien genussvoll abstrampeln können Sie nachher auf einem sicheren Velowegnetz für die ganze Familie. Erschöpft von so vielen Erlebnissen? Übernachten Sie doch gleich vor Ort. Sei es in einem rustikalen Landgasthof oder gar in alten Weinfässern in Trasadingen. Das Schaffhauser Blauburgunderland freut sich auf Sie. Auch am nächsten Tag.
Zur Geschichte
Eine lange Liebesgeschichte verbindet das Schaffhauser Blauburgunderland mit seinem Wein. Sie begann schon im Mittelalter. Über alte Handschriften der weinbaukundigen Römer gebeugt, entdeckten Mönche und Nonnen den Weinbau und förderten ihn. Sie schätzten einen guten Tropfen nicht nur für die Liturgie. Schriften bezeugen, dass das Schaffhauser Kloster zu Allerheiligen spätestens im Jahr 1100 eigene Reben in Hallau besass. Schnell liessen sich weite Kreise von der Begeisterung anstecken. Bis die Welschen zur Eidgenossenschaft stiessen, war Schaffhausen gar wichtigster Weinlieferant der damaligen Schweiz. Wein war lukrativer als Vieh oder Getreide. Erfreut notierte der Schaffhauser Kaufmann und Rebenbesitzer Hans Stockar 1521 in seinem Tagebuch: «Im hierbst, do mian wümlatt in diesem jar, do erschoss es wol und gab viel me, dan man es geschetz hatt. (...) Und der win galt das jar vil gelt...).» So viele Bauern waren der Rebe verfallen, dass die Behörden im 16. Jahrhundert Rebstöcke ausreissen liessen aus Angst um vernachlässigte Grundnahrungsmittel wie Korn! Doch wie jedes Liebespaar durchlebten auch das Schaffhauser Blauburgunderland und sein Wein Krisen. Zum Beispiel um 1835. Der deutsche Zollverein entstand. Die Schaffhauser verloren mit Süddeutschland plötzlich einen ihrer wichtigsten Kunden. Doch die Winzer gaben nicht auf. Sie strengten sich erst recht an – und entschieden sich, ihre Kraft noch gezielter in die uralte Sorte Blauburgunder zu stecken. Ein zukunftsweisender Entscheid. Denn der Blauburgunder gibt sein Bestes nicht im Süden, sondern an der nördlichen Grenze des Weinbaugebiets. Wie an der berühmten Côte d’Or im Burgund. Oder eben im Weinbaugebiet Schaffhausen. Was nicht heissen soll, dass der Schaffhauser Blauburgunder mit seinen schweren, französischen Brüdern konkurrieren will. Dank wechselhaftem Wetter hat er seine eigenen Stärken: eine besondere Feinfruchtigkeit, ein reichhaltiges Bouquet, feine Aroma-Nuancen und einen harmonischen Körper. Die Winzer lieben ihre Blauburgunderrebe aber auch noch aus einem anderen Grund: Sie treibt später als andere Sorten. So sinkt das Risiko von Frostschäden. Eine stetige Weiterveredelung hat sie noch widerstandsfähiger, ihre Beeren noch schmackhafter gemacht. Die herrlichen Trauben, der köstliche Wein: Jeden Herbst darf das Schaffhauser Blauburgunderland die Früchte einer langen, bewährten Liebe ernten. Einer Liebe, die nicht stehen bleibt. Einer Liebe mit Zukunft.
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