EMMENDINGEN Sandsteinbrüche
Schon einmal darüber nachgedacht, woher die Bauherren des Freiburger Münsters oder der Hochburg, zweitgrößten Burgenanlage Badens, ihre Steine herbekamen? Nun, einen Baumarkt oder einen Baustoffhandel gab es im Mittelalter ja noch nicht. Einen Teil der Sandsteine stammt vom Hornwald-Rücken bei Sexau. Er liegt südlich der Hochburg und noch auf der Gemarkung von Emmendingen im Elztal. Eine Rundwanderung erschließt die Steinbrüche und die Festungsanlage.
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Genaue Kenntnisse über die Steine, die in der Region zu finden sind, war Voraussetzung. Die Münsterbaumeister mussten Steinbrüche mit passender Steinqualität und in ausreichender Menge finden. Schließlich besteht das Gotteshaus aus 20.400 Kubikmeter Naturstein mit einem Gesamtgewicht von etwa 47.000 Tonnen. Wie man heute weiß, wurden Steine aus zahlreichen Steinbrüchen bezogen wie beispielsweise am Freiburger Lorettoberg, in Heimbach oder vom Hornwald-Rücken bei Sexau. Es wird angenommen, dass die ersten Münstersteine vom Hornwald kamen. Auf einer Rundwanderung von gerade mal 7 km können wir einige Steinbrüche im Hornwald besuchen. Mittlere Kondition ist Voraussetzung, dann kann die Tour in etwa 3 Stunden erledigt werden. Niedrigster Punkt ist beim Parkplatz in Sexau (230 hm), höchster Punkt auf dem Hornwaldrücken (356 hm).
Ein weiteres Highlight auf dieser Rundwanderung ist eine Besichtigung der Hochburg, auch Burg Hachberg genannt. Sie ist eine der größten Burgruinen am Oberrhein und bietet einmalige Einblicke in die Geschichte des Burgen- und Festungsbaus eines halben Jahrtausends.
Rundweg Sandsteinbrüche
Start ist am Parkplatz »Waldspielplatz« bzw. am »Horneck« am westlichen Ortsausgang von Sexau, erreichbar über den Burgweg. Geparkt wird direkt vor einem alten Steinbruch, auf dessen Sohle ein vergittertes Stollenportal angesetzt ist. Es gehört zu einem alten Bierkeller, in dem früher das Eis des nahen Brettenbachs gelagert wurde. Rechts vom Steinbruch beginnt der leicht ansteigende "Jägerpfad". Dieser erste Steinbruch ist eingezäunt und nicht betretbar, denn er wird vom Sexauer Schützenverein als Schießanlage genutzt. Dennoch sind die mächtigen roten Sandsteinbänke gut einsehbar. Wir folgen dem Jägerpfad auf einer Länge von 1 km. Über eine Treppe und ein Plateau (alter Festplatz) folgen wir dem romantischen Jägerpfad. Nach 500 m erreichen wir einen weiteren Steinbruch, diesmal mit großen Halden. Zwei benachbarte Brüche reichen bis zur Kammlinie. Hier wurde ebenfalls roter Sandstein gewonnen. Allerdings treten auch gelb gebänderte Sandsteinvaritäten auf.
In südliche Richtung führt ein noch immer gut erkennbarer Weg nach Sexau. Der Jägerpfad steigt nun steil nach Norden an. Über einen kleinen Pfad links des Weges erreichen wir nach 350 m den größten Steinbruch. Man kann ihn in einem Bogen knapp unterhalb der Bruchwände durchwandern. Die Brüche reichen bis zur Kammlinie und ziehen sich über 230 m hin. Am Fuß der steilen Wände hat sich ein Tümpel gebildet. Auffällig ist der rot dominierende Sandstein, obgleich ebenso gelbe und braune Varietäten zunehmen. Händische Abbauspuren und senkrechte Bohrpfeifen sind Zeugen des letzten Abbaus.
Der Pfad entlang der Steinbrüche stößt auf einen breiten Fußweg, dem man nach links durch steileres Gelände folgt. Sandsteinfelsen stehen am Weg an. Nach rund 250 m des enthalten sie größere gelbe Partien. Mit etwas Glück findet man hellgelbe verkieselte Sandsteine mit dünnen Schwerspatbelägen. 550 m weiter öffnet sich auf der linken Seite eine große und bis zum Kamm reichende Geländemulde. Felsnasen stehen hervor, ansonsten überwiegt Gesteinsschutt. So sieht ein gut 800 Jahre alter Steinbruch aus, der feuchten Klimabedingungen mit starkem Baumbewuchs ausgesetzt ist. Auffällig ist der nun gelbliche Sandstein. Dabei dürfte es sich um den wichtigsten Burgsteinbruch handeln, denn die Burg besteht ganz überwiegend aus gelblichem Sandsteinmauerwerk.
Nun sind es nur noch 450 m bis zur südlichen Bastion der Hochburg. Über eine Treppe und einen dunklen Mauerdurchgang kann man sie durchqueren. Beim Besuch der weitläufigen Anlage, die die zweitgrößte Burg Badens nach dem Heidelberger Schloss ist, empfiehlt es sich, auf die Färbungen der Mauerquader und auf die an vielen Stellen erschlossenen anstehenden Sandsteinschichten zu achten.
Die Burg wurde vermutlich im 11. Jahrhundert von Dietrich von Emmendingen gegründet, der sich später „von Hachberg“ nannte – wahrscheinlich als Rodungsburg. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1127. 1415 erwarb Markgraf Bernhard I. aus der badischen Hauptlinie Burg und Herrschaft von dem verschuldeten Markgrafen Otto II. von Baden-Hachberg. Ab 1553 wurde die Burg unter Karl II. stark erweitert. Die mittelalterliche Adelsburg wurde zu einer renaissancezeitlichen Schloss- und Festungsanlage umgebaut… Es folgten etliche Erweiterungen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg von 1634 bis 1636 belagert und nach Kapitulation der Verteidiger geschleift. Am 13. Oktober 1684 zerstörte ein durch das Gesinde fahrlässig verursachter Brand die ehemalige Festung weiter. Am 12. Oktober 1688 besetzten französische Truppen aus Freiburg zu Beginn des Pfälzischen Erbfolgekriegs die verbliebenen Reste der Festung und sprengten am 17. Februar 1689 die Ecktürme und einen Teil der Mauern. Danach wurden auch die noch bewohnbaren Gebäude und die Kellergewölbe gesprengt.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden erste Erhaltungsarbeiten durchgeführt. Sie dauern bis in die Gegenwart an. Eigentümer der Hochburg ist das Land Baden-Württemberg. Doch seit 1971 wird die Anlage durch den Verein zur Erhaltung der Ruine Hochburg mit Sitz in Emmendingen und seinen Helfern ehrenamtlicher Arbeit betreut. Seit 2007 ist der Verein auch Pächter der Burganlage. Dank dieser Arbeit ist sie für Besichtigungen offen. Im Keller der Oberburg ist sogar ein kleines Burgmuseum eingerichtet.
Sagen um die Hochburg
Eine weiße Jungfrau geht bei Mondschein fröhlich in das Brettental und weinend auf die Burg zurück. Dabei hat sie immer einen Schlüsselbund, der wohl den Zugang zu einem Schatz gewähren könnte.
Ein Hirtenjunge findet in der Schlossruine einen prächtigen Saal, in dem zwölf Männer ihn königlich bewirten und ihm abschließend Goldstücke schenken. Als der Junge mit den Dörflern wieder zum Schloss geht, ist von dem Saal und den Männern nichts mehr zu sehen. Die zwölf Verwunschenen sollen als Retter erscheinen, wenn Deutschland in großer Not ist.
Ein junger Mann verrennt sich in die Idee, einen Goldschatz in den unterirdischen Gängen der Ruine zu suchen, und stirbt schließlich wahnsinnig geworden.
Der Rückweg beginnt zunächst an der südlichen Bastion, allerdings zweigt man nach rechts auf den Kammweg ab. Er führt an der Außenbastion vorbei. 300 m steht man oberhalb des 20 m hohen Burgsteinbruchs. Weiter geht es durch den lichten Hochwald über die Kammlinie, vorbei an einem Sendemast, bis zu den großen Steinbrüchen, in die man beispielsweise an der Schutzhütte von oben blicken kann. Weiter auf dem nun abfallenden Kammweg führt der Weg zum Steinbruch am Schützenhaus zurück. Beim Sendemast führt ein schmaler und steiler Pfad nach links hinab, vorbei an zwei kleineren Steinbrüchen, zurück zum Parkplatz. An den Wänden dieser beiden Steinbrüche, in denen Plattensandstein ansteht, ist gut zu erkennen, wie tektonisch stark gestörte Buntsandstein-Schichten aussehen. Allerdings konnten in diesen Steinbrüchen nur kleine und unregelmäßige Mauerquader sowie Grobschotter gewonnen werden.
Wandertipps
Länge: 7 km
Kondition: leicht bis mittel
Dauer: 3 Stunden
Niedrigster Punkt: 230 hm
Höchster Punkt: 356 hm
Empfehlung: gutes Schuhwerk, witterungsbedingte Bekleidung, Vesper und Getränke, Vorsicht an den Steinbrüchen (Steinbruchgefahr)
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